Ruhige Wasseroberfläche im sanften Morgenlicht – Naturmotiv zur Regulation des Nervensystems und Somatic Experiencing bei Antje Ansorge in Potsdam.Ruhige Wasseroberfläche im sanften Morgenlicht – Naturmotiv zur Regulation des Nervensystems und Somatic Experiencing bei Antje Ansorge in Potsdam.

Somatic Experiencing

Wie ich zu Somatic Experiencing gekommen bin

In meiner körpertherapeutischen Arbeit kam ich häufig mit traumatischen Ereignissen meiner Patienten in Berührung. Diese äußerten sich durch Flashbacks, emotionale Flutung oder Dissoziation, die aus einer eigentlich entspannten Situation wie aus dem Nichts aufzutreten schienen. Sowohl meine Patienten als auch ich standen diesen Situationen ratlos und betroffen gegenüber. Was eigentlich hilfreich und entspannend sein sollte, hatte sich plötzlich ins Gegenteil verkehrt. Um mit diesen Phänomenen besser umgehen zu können, machte ich ab 2019 die Ausbildung in Somatic Experiencing.

Wenn das Nervensystem im Alarmzustand bleibt

Die Erklärung für das Phänomen von Retraumatisierungen aus einer eigentlich entspannten Situation heraus ergibt sich aus der Funktionsweise des Nervensystems. Befindet sich ein Organismus unter chronifiziertem Stress, gerät der Rhythmus zwischen Aktivierung und Regeneration dauerhaft aus dem Gleichgewicht. Das System verliert seine ihm eigentlich innewohnende Fähigkeit zur Regulation und Regeneration und verbleibt in einem anhaltenden Alarmzustand. Wird dieses Warnsystem unterlaufen (wie es bei einer entspannenden Anwendung wie z.B. Craniosacraltherapie der Fall sein kann), kann das System mit Wucht in einen Zustand höchster Alarmierung zurückversetzt werden, um gegen eine potentielle Bedrohung gewappnet zu sein.

Was ist Somatic Experiencing?

Somatic Experiencing (SE) ist ein bio-, physio- und psychologisches Konzept zur Behandlung von Schockzuständen und Traumata. Entwickelt wurde es von dem amerikanischen Biophysiker und Psychologen Dr. Peter A. Levine. Die Methode hat sich als effektiv für die Behandlung von Traumafolgestörungen erwiesen.

Wenn wir von Trauma sprechen, geht es zum einen um ein akutes Trauma, wie Schock oder Verlust, aber auch um lebensgeschichtlich frühe Traumatisierungen. Zum Beispiel eine schwierige Geburt oder medizinische Eingriffe in der Kindheit und damit einhergehend die Trennung von den Eltern. Aber natürlich auch Erfahrungen von dysfunktionaler Erziehung, von Ausgegrenztsein oder Mobbing, psychischem und physischem Missbrauch, transgenerationalem Trauma oder eine Kopplung oder Mischung all dieser Themen.

Wenn Beschwerden keine organische Ursache haben

Wenn Menschen Beschwerden haben, für die es keine nachweisbare Erklärung gibt, spricht man von funktionellen Symptomen oder Syndromen. In meiner logopädischen Arbeit begegnen mir diese in Form von Stimmstörungen oder Stimmverlust, Hochatmung, Schmerzen und Spannung im Kiefer, Enge im Brustkorb, Atemnot. Oder sie äußern sich in Form von chronischen Schmerzen, chronischer Erschöpfung oder chronischen Angst- und Panikzuständen. Sind diese Symptome ohne organischen Befund, stellt sich die Frage nach der Lebensgeschichte des Patienten. Dann berichten die Patienten über Lebensphasen von andauerndem oder überwältigendem Stress, von Geschichten, die sich im frühen Leben (Entwicklungstrauma) abgespielt haben oder schweren transgenerationalen Belastungen.

Trauma ist nicht das, was uns passiert, sondern was wir in uns tragen, wenn ein einfühlsamer Zeuge fehlt.
Peter. A. Levine

Den Körper und das Nervensystem regulieren

Um eine langfristige und nachhaltige Heilung von diesen Symptomen zu erzielen, reichen Gespräche und Übungen in der Regel nicht aus. Dann ist es notwendig, das Nervensystem, das entweder überaktiviert oder kollabiert ist oder sich im Wechsel zwischen diesen beiden Zuständen befindet, langfristig zu regulieren. Somatic Experiencing ist eine Methode, diese Zustände wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Im Gegensatz zu traditionellen Gesprächstherapien, die sich hauptsächlich auf kognitive Prozesse konzentrieren, legt SE großen Wert auf körperliche Erfahrungen und deren Regulation. SE konzentriert sich darauf, die Verbindung zwischen Körper und Psyche wiederherzustellen und die im Körper gespeicherten traumatischen Erfahrungen auf sichere und kontrollierte Weise zu verarbeiten.

Einzelsitzung 60 min 85 €

Wie ich mit Somatic Experiencing arbeite

Für die Arbeit mit SE ist es nicht vordergründig wichtig, die genaue Geschichte des Traumas zu kennen. Natürlich ist es befriedigend, den Symptomen eine konkrete Geschichte zuzuordnen, doch ist dies nicht immer möglich. Zum Beispiel wenn die Ereignisse in einer vorsprachlichen Zeit stattfanden oder abgespalten werden mussten. Gearbeitet wird über die körperliche Erfahrung, wobei der Patient mit dem innewohnenden Stress und der emotionalen Überkopplung, die dahinter stecken, vorsichtig in Kontakt gebracht wird. Meine Aufgabe als Therapeutin ist es einerseits, dem Patienten möglichst viel Raum zu geben und nicht restriktiv zu sein und andererseits immer ausreichend Halt und Orientierung zu geben.

Ist SE für mich geeignet?